24 Dinge, die mir 2018 gezeigt hat – 16. Dezember – Zügel

Nachdem ich gestern über die vielen Straßen in meinem Leben nachgedacht  und festgestellt habe, dass viele davon in blinder Begeisterung beschritten wurden – teilweise nur um festzustellen, dass der Weg nicht ins Nirvana und auch nicht ins Glück und auch nicht mal zur nächsten Würschtelbude führt, frage ich mich, ob man meine vorausgaloppierenden Pferde der Begeisterung vielleicht zügeln könnte?

Mir ist allein der Gedanke an gezügelte Begeisterung schon dermaßen zu wider, dass ich mir wirklich schwertue, jetzt mal hier zu bleiben und sich damit auseinander zu setzen…

Was treibt mich so an?
Ist der Blick in die Zukunft immer so vielversprechend, dass ich nur mit halbem Auge hinsehe und lieber davonpresche, als mir das Terrain wo ich bin genauer anzusehen und vielleicht zu entscheiden, dass das auch gut ist.

Ihr kennt sicher diesen Effekt, wenn man sein Auto verkaufen will. Man putzt und poliert und irgendwann fragt man sich, warum genau wollte man dieses  hübsche schnuckelige Fahrzeug, das so einen tollen Eindruck macht, eigentlich verkaufen?

Warum erscheint mir das Gras immer grüner auf der anderen Seite?
Und warum sehe ich den große Spalt zwischen meiner Wiese und der andern nicht?
Und warum zum Teufel lerne ich nicht aus den vielen Abstürzen, die ich schon erlebt habe, dass selbst das grünste Gras halt nur aus der Entfernung so aussieht. Dass der Weg dort hin wesentlich beschwerlicher sein kann, als angenommen. Und dass bevor ich mich auf den Weg mache, eine Sekunde des EHRLICHEN Wahrnehmen der eigenen Wiese mich möglicherweise vor vielen Irrwegen bewahrt hätte. Und in der Zwischenzeit hätte ich nämlich eventuelle kahle Stellen meiner Wiese auffüllen, den Zaun reparieren können oder wasweißdennich was für Zeug halt notwendig ist, damit es daheim auch wieder einladend ist.

Ja, ich mag meine Begeisterungsfähigkeit. Aber ich mag nicht mehr Sklave ihrer sein. 
Ich mag aushalten, dass meine aktuelle Lebenssituation, Berufssituation, wasweißichsituation vielleicht schon etwas Patina bekommen hat. Oder auch so lange aushalten, dass Patina überhaupt entstehen könnte.
Ich mag für gut befinden, wofür ich viel investiert habe – und investiere.
Nicht immer jeden Acker neu beackern müssen, sondern auch mal bis zur Ernte bleiben. Die Früchte abholen und den Herbst genießen, wo der Speck angesetzt wird, weil weniger zu leisten ist. Momente erleben, wo einem etwas in den Schoß fällt.
Das gönne ich mich viel zu wenig. Zu oft bin ich schon längst wieder weg, wenn es ans Schoß fallen kommt.

Vielleicht hilft mir das, wenn ich merke, dass das nächste Mal die Pferde davon galoppieren…

Beim Rock wenden wir uns der zweiten Seite zu. Und es gibt einen kleinen Trick:

Die liebe Alex vom Stoffsalon hat mir nämlich nicht nur die wunderschönen Stecknadeln geschenkt, sondern auch so ein grenzgeniales Meßtool, mit dem man hervorragend Abstände übertragen kann. Genial für Knopflöcher. Aber auch bei Falten. Also die Faltentiefe markieren. Die Faltenbreite markieren. Und dann dieses Ziehharmonikatrum auseinanderziehen bis zur nächsten Markierung gleicher Art (also nur die Faltentiefen) Stecknadeln setzen und gut isses. Selbiges mit der anderen Art – z.b: Faltenbreiten. Und schwuppdiwupp hat man alle Markierungen erledigt. Falten legen wie gehabt. Am Ende bei der Tasche nur den Oberstoff, dann reinlinsen, ob die Tasche eh schön flach über den Falten liegt, dann Futterstoff in Falten legen und dann ausgiebig Falten streicheln…

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