Danke.

Ich schließe mich ungern Trends an. Aber der Magie der Danksagung kann ich mich nicht entziehen.
Und dabei betrete ich dünnes Eis.
Aktuell halte ich mich für Lohn&Brot in einer sehr danksagenden Umgebung auf.
Das fühlt sich nicht immer so wertschätzend an, wie man auf den ersten Blick meinen möchte. Oft ist das ausgesprochene „Danke“ auch einfach eine Stopp-Tafel um ein Gespräch zu beenden. Langsam gewöhne ich mich daran.
Ich finde es nur schade um das Danke. Das hat es nicht verdient. Gerade aus einer miesen Ecke herausgeholt, entstaubt von den steifen Manieren einer Opernballgeneration, sollte es doch eigentlich ein Gefühl zum Ausdruck bringen. Wertschätzung. Dankbarkeit, dass man eine Erfahrung machen darf. Einem Zeit geschenkt wird. Oder auch nur ein Kaffee. So wie Schönheit im Auge des Betrachters liegt, tut es doch auch der Wert. Eine sehr wertvolle – weil teure – Halskette kann für jemand, der vom Erfrierungstod bedroht ist, völlig wertlos sein. Und wenn die Person nicht gerade ein Pfandhaus um die Ecke hat, tut man sich auch sehr schwer das kostbare Geschmeide gegen dringend benötigte Daunen in Schlafsackform einzutauschen. Das Danke, so wie ich es verstehe, ist viel mehr der Ausdruck, dass ich nun reicher bin als vorher. Reicher an Erfahrung. An Gefühlen. An Sichtweisen. Aktuell würde ich mir mit teuren Halsketten schwer tun: Was würde der Schenker mir sagen wollen? Wofür stünde diese Botschaft?

Dennoch durfte ich in den letzten Wochen soviele Erkenntnisse und Einblicke gewinnen, dass ich fast meine, ich hätte die letzten Jahre in einer Art Umnebelung verbracht. Ich habe unfassbar viele und tiefe Wunden mir sehr genau anschauen – hüstel – dürfen. (Ich bin durchaus geneigt zu sagen, müssen.)
Ich weiß nicht, was es mit dem Rennradfahren auf sich hat. Aber ich kann sagen, ich habe dabei soviel geheult wie überhaupt noch nie in meinem Leben. Ich habe ja das große Glück am A… der Welt zu wohnen und meine Hausstrecken führen durch wirklich beinahe menschenleere Landschaft. Vielleicht hat es was damit zu tun. Vielleicht weil die große Kraftanstrengung keine Energie übrig lässt für das berühmte Fassade bewahren.
Egal.
Hauptsache ich schaue es mir an.
Das meiste davon, ist nichts, was ich sehen wollte. Aber so ist wohl immer mit den Lebenslektionen.
Wohin mich diese neuen Erkenntnisse führen, weiß ich auch noch nicht.
Die höhere Macht/Universum/lieber Gott… younameit wird wohl einen Plan haben. Gerne, seeeeehhhrr gerne würde ich mit ihr mal ein 4-Augen-Gespräch führen, um zu erfahren, warum in aller Welt die letzten 10 Jahre so sein mussten. Ich meine, man hätte ja auch mit mir reden können. Hätten wir uns beide – und anderen einiges erspart 😉
Aber ich räume ein, dass ich eventuell halt auch wirklich ein sturer Brocken bin. Nur zum „Reden können…“

Nun. Es ist wohl wie es ist. Aber ich habe festgestellt, dass ich mich um mein inneres Häuschen kümmern muss. Und dazu braucht es Zeit.
Und dann war plötzlich Anfang November. Und mir fiel ein, dass die Kinder einen Adventskalender haben wollen. Oder anders herum, dass ich ihnen einen machen möchte. Und dann dachte ich mir, vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, ab und zu dazwischen eine nette kleine Idee zum Innehalten einzubauen. Das Teenagerleben ist ja streckenweise eine ziemliche Herausforderung. 10 Minuten Tee trinken kann sicher nicht schaden.

Und dann dachte ich mir, das kann eigentlich jeder Mensch gebrauchen. Und schon war ich um eine Idee reicher.

Und ich sage es ganz ehrlich: Ich habe jede Sekunde in vollen Zügen genossen, dieses Mini-Projekt hier auf die Beine zu stellen. Ich war sooooo lange schon nicht mehr wirklich kreativ. Und ich habe erst jetzt bemerkt, wie sehr ich es vermisse.

Und dass ich nun hier sitze und nur noch ein paar Reserve Kalender habe – falls wirklich die Post wieder welche nicht zustellt – für ein paar Menschen, die mir am Herzen liegen – und vielleicht als kleiner Reimender, wie ich 2022 ausklingen habe lassen – trotz dieser ganzen Fleischwundenbeschau, DAFÜR sage ich DANKE!!!!

An Euch.

Und ich habe einige Namen wieder erkannt.
Das hat mir die Tränen in die Augen steigen lassen. Und ich hätte aus lauter Dankbarkeit am liebsten jede/n persönlich umarmt.

An die besagte namenlose höhere Macht.

An wen auch immer.

Auch an mich.

DANKE.