Käse reiben über Ravioli

Kohlehydrate are on your side.

Essen muss der Mensch.⁠

Das war die Überschrift für heute.
Der Tag an dem meine Mutter Geburtstag hat.
Hatte. Sie ist vor acht Jahren gestorben.

Aber dann zeigt uns die Natur, die Welt, die Erde, dass es gar keinen Flügelschlag eines Schmetterlings braucht, um sie aus den Angeln zu heben. Es reicht etwas, das nicht mal unterm Mikroskop gut zu erkennen ist.
Corona.
Ein hübscher Name. Und treffend. Soviel Macht geballt in so einem Winzling.

Die Beziehung zu meiner Mutter war alles andere als reibungsfrei. Aber auch mein Geburtstag ist nicht mehr fern. Und auch wenn ich noch fern von Alterweisheit bin, möchte ich doch mich an die Haltung der – leider auch schon verstorbenen – Vera Birkenbihl erinnern: Ihre unfassbar genialen wie schrulligen Vorlesungen – allesamt auf YouTube nachzusehen – hat sie immer wieder mit den Worten eingeleitet, sich der Sache wie im Supermarkt anzunähern: Was für einen passt, möge man mitnehmen, den Rest liegen lassen.

Meine Mutter, Bäuerin bis ins Knochenmark, aber durch ungünstige Entscheidungen ihrerseits nicht in die Thronfolge gekommen, dadurch ihr Leben lang Königin fast ohne Reich gewesen, hatte einen Zugang zur häuslichen Versorgung der eher ihrer Müttergeneration entsprochen hat.
Bei uns lagen regelmäßig halbe Schweine am Tisch, die selbstverständlich bis ins letzte Zipfelnden aufgearbeitet wurden. Brotbacken hatte nichts von Herrn Joseph, dafür viel dicke harte Rinde, und die unzähligen Sackerl mit kleingewürfeltem Gemüse lassen jedes Iglo-Produkt zur Farce werden.

Derart aufgewachsen, hatte ich natürlich nichts lieber als das Supermarkt-Gummibrot mit homogener Extrawurst, die nur ja kein Fitzelchen Hinweis auf tierische Herkunft zeigt.

Dann selbst Mutter und jetzt sogar im Haus meiner Mutter lebend, muss ich in vielen Bereichen wahrnehmen, wie sehr Tochter meiner Mutter ich bin:
Mindesthaltbarkeitsdaten interessieren mich nur am äußersten Rande: Auge-Nase-Mund Test ist zuverlässig.
Sehr zum Verzweifeln anderer Hausbewohner, für die diese Daten sakrosankt sind.

Aber auch die Fähigkeit aus praktisch Allem mit praktisch Nichts etwas Essbares herzustellen.
Mit den Tieren zum Essen hab ich´s nicht so. Ich bin nicht Vegetarierin, aber die problematische Herkunftsverfolgung macht es mir nicht leicht, Fleisch zu konsumieren, also konsumiere ich halt fast nicht.
Das kommt der Lagerhaltung sehr entgegen, denn das blöde Fleisch ist viel zu viel Diva in der Aufbewahrung und Handhabung.

Aber mit Kohlehydraten kommt man schon sehr weit. Auch fleischlos. Wer weniger Bedenken hat und/oder besser organisiert ist, kann ja Fleisch dazunehmen.
Hierzulande haben wir die unglaublich glückliche Situation einen perfekt funktionierenden Getreideanbau zu haben. Der Weg zum Mehl ist nur noch ein Katzensprung. Einfache Gemüter – wie ich – kaufen es kiloweise im Supermarkt. Gern in Bio-Qualität. Menschen mit höherer Toleranz gegenüber Zusatzaufwänden kaufen es im Bioladen, Bauernladen, gleich beim Bauern. In größeren Gebinden.

Und wer bis hierher gelesen hat, bekommt gaaaanz langsam ein Gefühl dafür worauf ich hinaus will.
Angesichts drei Wochen Selbstversorgung zig Kilo Nudeln zu kaufen, zeugt von naja, sagmermal wohlwollend Einfallslosigkeit.
Denn selbst wer aktuell mit zwei linken Kochlöffeln (übrigens ein grandioses Kochbuch für Anfänger – der leider auch schon verstorbenen Christine Nöstlinger (was wird das hier? Ein Mausoleum großartiger Frauen? Hm…)
also wer mit zwei linken Kochlöffeln ausgestattet ist, hat JETZT die Chance dieses Manko zu beheben!

Viel Tagesfreizeit, Foodblogs und Anleitungsvideos en masse dulde ich keine Ausrede mehr für die Unfähigkeit sich drei Wochen selbst ernähren zu können. Ohne Fertiggerichte und Nudelpakete.

Zugegeben Homemade Ravioli sind nichts, was man als Anfänger so aus dem Ärmel schüttelt. Und selbst wenn, verlangen sie nach Zeit.
Aber davon haben wir nun.
Ein vernünftiger Nudelteig braucht nur Mehl und Wasser und eine Prise Salz.

Nudelteig und Nudelmaschine
Dieses Nudelmaschinending ist deutlich von Vorteil. Hierzulande aber eh nur im Onlinehandel verlässlich erhältlich. Also lieber heute als morgen bestellen. (Meine ist von irgendeinem Diskonter, der die mal im Angebot hatte und hat unter 20 € gekostet und leistet hervorragende Dienste – also kein Grund gleich das nächste „Manufactum“artige Trum für den Heilgen Schrein anzuschaffen: neben DER Kaffeemaschine inkl. DER Kaffeemühle, DEM Kochtopf, DEM Messer undwasweißich alles es dort schon gibt. (Um um bei Mum zu bleiben: Bei uns gabs viel von Riess, war wohl damals Hochzeitsausstattung ;-), selbstverständlich einen Druckkochtopf, von Kelomat, von mir noch nie benutzt UND jede Menge Messer, allesamt in furchteinflössender Länge und scharf wie eine Rasierklinge – natürlich mit diesen grauen Wetzsteinen von Muttern eigenhändige geschärft. Aber keins davon hatte einen klingenden (sic!) Namen.)

Damit lassen sich Nudeln machen. Die so unfassbar gut schmecken, dass man danach sowieso ein Problem hat, fertige zu kaufen. Achtung echt nur superkurz kochen! Die sind in max. 2 Minuten fertig.
Und diese dünnen Teigplatten.
Womit man Lasagne machen kann.
(Schon das zweite Gericht!)
Und Ravioli.

Ravioli am Teller

Und weil wir jetzt an nichts soviel haben wie an Zeit, kann man die ganze Arbeit, die da drin steckt auch fantastisch würdigen, in dem man die Mahlzeit richtig zelebriert:
Ein schöner Wein dazu – ein hübscher Roter, schon in der Früh geöffnet – ein Achterl davon mitten am Tag dazu rundet das ganze Ernährungsthema auf beste Weise ab.
Online ist fast jedes Gesöff bestellbar. Hier wäre ein Vorschlag.

Wer das nicht gewohnt ist und dann ein Nickerchen halten muss, hat eigentlich alles richtig gemacht im neuen Slow Living 😉

Der angebrochene Nachmittag kann dann genutzt werden, darüber nachzudenken, was morgen gekocht wird.

Wer jetzt superschlau ist (und die Kapazitäten hat) kocht von allem die doppelte Menge und friert ein.
Denn eines ist klar: Es gibt ein Leben nach Corona 😉

 

Und weil hier vielleicht Interesse an meinem Rezept besteht:

Also Nudelteig:

300 g Mehl (glatt)

ca. 150 ml Wasser

Prise Salz

alles zusammen gut verkneten, ggf. Wasser oder Mehl dazugeben, der Teig darf nirgends mehr picken bleiben, ⁠muss schön elastisch sein

dann eben in die Nudelmaschine, wenn es Ravioli werden sollen: kleine Teigpakete machen, mit immer kleiner werdenden Nummern durchwalken, am Anfang reißt der Teig immer, dann wieder zusammenschlagen und wieder durch, jedes Teigpaket läuft sicher locker 7 – 10 Mal durch die Maschine. Bei Ravioli nicht dünner als 6 werden. Sonst reißen die Ravioli beim Kochen so leicht.

Als Füllung nehme ich was der Kühlschrank/Gemüsegarten hergibt:

z.B:
Zwiebel
Knoblauch
Kürbis
Kräuter

alles klein fuddeln, anbraten, im Mixer zerhacken, salzen, pfeffern…
Da ginge z.B: auch Fleisch gut dazu, Reste vom letzten Schnitzel, Faschiertes, Wurstreste,…-> Mum aka Oma Fini

Die Pampe darf nicht zu wässrig sein! Notfalls ein paar Semmelbrösel dazu (oder klein geshreddertes Brot…Mum aka Oma Fini)

Ich habe vom Herrn des Hauses so ein klappbares Ravioliteil bekommen – und verwende es nie. Vorher runde Teigscheiben ausstechen, die auf das Klappteil legen, Füllung drauf, zuklappen, aufklappen…. viiiiiel zu mühsam. Ja meine Ravioli sind schiach. Krummbirnen. Aber sie sind köstlich. Ich zähle auf innere Werte.

Deshalb walke ich meine Teigstreifen eben zu ca. 8 – 10 cm Streifen aus, ca. 25 cm lange.

Auf die bemehlte Arbeitsfläche damit – ja, der ganze Spaß ist eine Riesensauerei. Kinder herzlich willkommen. Sogar die ach so großen Teenager kurbeln noch gerne.

Also Streifen auf die Arbeitsfläche. Dann denke man sich eine LÄNGSmittellinie. Mit einem TEElöfferl ca. alle 5 cm ein Patzerl auf EINE Seite dieser Mittellinie geben. Dann wird die andere Teigseite ÜBER diese Patzerlseite drüber geklappt. Ich besitze ein Teigrad (danke MUM aka Oma Fini) und radle damit zwischen den Abständen durch – und über dort wo der Teig zusammengeklebt werden soll.

Die fertigen Teigtascherln (Ravioli sind es ja im genauen Wortsinn nicht 😉 wieder auf einem bemehlten Brett lagern.

bemehlte Ravioli auf Brett

Wenn man sich dem Stadium des Wasserkoches nähert, soviel Teller wie Esser ins Backrohr geben, auf 80 ° schalten, dann hat man schön vorgewärmte Teller, auf denen die herrlichen Ravioli dann nicht so schnell auskühlen. Aber natürlich aufpassen beim Rausnehmen – und wenn sehr kleine Kinder im Spiel sind, dann davon vielleicht absehen.

Einen großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen. Bisschen Salz dazu. Ravioli einlegen. Je nach Topfgröße nicht alle auf einmal. EINMAL aufkochen! Dann Hitze weg und heiß baden bis sie noch oben schwimmen.

Inzwischen eine Pfanne mit Olivenöl heiß werden lassen, ein paar Kräuter darin anbrutzeln. Salbei ist da hervorragend. Aber auch Rosmarin. Vielleicht ein paar halbierte Kirschtomaten. Die sind derzeit ja eh noch so brustschwach, für was anderes taugen die eh nicht. Auch bissl anschmurgeln. Dann die herausgefischten Ravioli in dieser Mischung kurz anbraten. Ggf. eben mit allen Ravioli wiederholen, bis alle dran waren.

Auf den Tellern aus dem Backrohr anrichten, Parmesan drüber. Gott einen guten Mann sein lassen.

#getyourhandsdirty⁠
#slowliving⁠
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