Bürosuppe. Oder Engerl Bengerl für Kollegen.

Das Engerl/Bengerl-Spiel ist wohl allgemein bekannt. Zuviele Jahre im Home-Office habe ich es fast vergessen, also dass auch Erwachsene gerne Kinder sind. Und schwupps durfte ich schon in eine Schüssel mit kleinen Zettelchen greifen und ziehen. Einen Tag, nicht eine Person.
Denn in dem Unternehmen, bei dem ich nun in Lohn und Brot stehe, wird heuer jeden Tag EIN anderes Engerl für ALLE Bengerl etwas Nettes machen.
Ich brauchte nicht lange nachzudenken.
Wer hier schon seit Kleinformat-Zeiten mitliest, weiß von der Burg. War vielleicht sogar schon selbst auf der Burg mit. Und wurde von mir mit Suppe verköstigt.

Burgsuppe war die Inspiration.

Ich habe von der Burg – und den bürgerlichen Suppenesserinnen – immer nur positives Feedback zur Suppe erhalten. Und ich habe schon lange keine Suppe mehr für mehr als vier Menschen kochen dürfen, also war mir sofort klar:
Es wird Bürosuppe geben!
Ein nettes Mittagessen, das wärmt und ein bisschen die Seele tröstet. Nur cremige Suppe kann das so gut.
Und weil ich gerade so gerne dekoriere, war klar, dass ich mich nun nicht hinstelle wie in der Suppenausspeisung der Notschlafstelle und milde lächelnd heiße Suppe in Schüssel gehalten von klammen Fingern schöpfe. Nein. Das war nicht meine Intention.

Auch das Auge muss sich laben können.

Also habe ich einen kleinen großen Festtisch dekoriert. Der große Stehtisch in unserer „Schnell-Besprechungszone“. Mein Stoffvorrat hatte viel, aber dann doch nicht genug Leinen. War aber egal. Das Büro hatte viel kleine Teller, aber keine Schüssel. Der Mann, der gerade beruflich durch Österreich tourt, wurde beim Möbelschweden vorbeigeschickt und nun haben wir 20 weiße Schüsseln mehr. Und ich nun einen Grund mehr, so ein Suppenessen demnächst bei uns zu Hause zu veranstalten.
Die Schwiegermutter hatte einen riesigen Topf. Und vom Damensalon hatte ich noch ein paar Kerzen in Einmachgläsern. Und nach etwas Handarbeit hatte ich auch zwanzig kleine Weinreben-Kränze, die jeden Platz verziert haben.

Tischdekoration mit Mandarinen und Weinrebkränzen

Was soll ich sagen?
Ich glaube, es hat allen geschmeckt. Zumindest haben sie es gesagt 😉
Aber die allergrößte Freude bei diesem Essen hatte mit Sicherheit ICH.

Zum Nachkochen.

Möglicherweise hat jemand Interesse an den Rezepten, deshalb hier das Menü:

orientalische Linsen-Karotten-Kürbissuppe mit frittierten Salbeiblättern und Chili-Nüssen (alles vegan)

dazu

Fladenbrot vom Türken
&
veganes Dinkelbrot (vom Mann)

und dreierlei Aufstriche:

selbstgemachtes Hummus (vegan)

Erbsen/Basilikum/türkischer Käse

rote Bohnen/Tomaten/Nüsse (vegan)

Dolores Wally vor dem schön gedeckten Tisch

Die Angaben sind hier für vier Personen – wer fängt was mit 20 Personen Angaben an? Notfalls hochrechnen traue ich jedem zu 😉

Die Suppe ist recht inspiriert von Sarah Britton von Mynewroots, der ich quasi seit meiner ersten Stunde in der Blogwelt folge.

In einem großen Topf Öl heiß werden lassen (oder Ghee oder Kokosöl, Fett halt) und Kumin, Koriander und Tumeric anrösten, bis es gut riecht.
2 Zwiebel, grob geschnitten, dazu und glasig werden lassen.
4 große Karotten, grob zerstückelt und 2 cups grob zerstückelten Kürbis dazu, alles gut anrösten.
2 Knoblauchzehen und ein kleines Stück Ingwer, auch grob zerstückelt dazu.
250 g rote Linsen dazu und mit 1 l Wasser aufgießen – alles Gemüse sollte gerade mit Wasser bedeckt sein.
Ca. 20 min. köcheln lassen, bis das Gemüse so weich ist, dass man es mit dem Löffel teilen kann.
Alles sehr gut mit dem Pürierstab pürieren und ggf. noch Wasser dazu gießen bis die Suppe die gewünschte Konsistenz hat.
Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Varianten dieser Suppe gibt es bei uns im Winter wöchentlich. Ich verarbeite hier gerne Brotreste, auch Reisreste, auch anderes Gemüse… die Basis sind ja angeröstete Gewürze plus stärkehaltige Gemüse (Rüben und rübenartiges ist der Bringer) plus noch eine Stärkequelle – Bohnen gingen auch, alles was halt weich gekocht, sich gut pürieren lässt und cremige Konsistenz liefert. Beim Wasser anfangs lieber sparen, erst nach und nach zugeben … verdünnen geht leichter als eindicken. Super ist sie auch mit Kokosmilch. Wer es nicht vegan haben muss, kann auch mit Schlagobers arbeiten…

frittierte Salbeiblätter

frisch gepflückte Salbeiblätter in ganz wenig Olivenöl kurz anrösten – beobachten! Dann raus aus der Pfanne und auf einem Küchenrollestück auflegen. Wenn die Suppe gleich serviert wird, eh klar auf die Suppe drauf, wenn nicht, kann man sie gut auf der Küchenrolle in einem Tupperware-Behälter  transportieren – sie sind auch am nächsten Tag noch schön crispy!

Chili-Nüsse

eine gute Handvoll Walnüsse im Mixer grob zerkleinern.
In einer beschichteten Pfanne etwas Olivenöl heiß werden lassen, 2 bis 3 Esslöffel Chiliflocken darin kurz anrösten und die zerkleinerten Nüsse dazu. Kurz weiterrösten – unbedingt beobachten! Wenn die ersten schwarzen Bröckerl sichtbar werden, sofort aus der Pfanne raus in eine Schüssel – in der Pfanne rösten sie noch zu stark nach. Salzen und – entweder gleich verwenden – oder in einem Schraubglas im Kühlschrank auf den großen Auftritt warten lassen.
Die passen übrigens eigentlich zu allem – auch sehr gut auf Käseplatten. Oder auf Backrohrgemüse…

Bei der Suppe wird beim Servieren ein kleines Teelöfferl über die Salbeiblättchen gestreut.

Ich habe bei der Suppe dann auch noch beim Servieren einen kleinen Schuss Kürbiskernöl darüber gegossen – nur wex der schönen Optik…

Hummus

Soderla. KEIN Olivenöl. Nada. EIN Teelöfferl ganz zum Schluss.

ABER TAHINIsauce. Sesamsauce.

Ohne die geht gar nix. Also entweder ein halbwegs gut sortierter Supermarkt hat sie oder zum türkischen Supermarkt. Sesamsauce ist ein Must.

Gut. Also dann:

200g Kichererbsen über Nacht einweichen, dann weich kochen. Oder halt aus der Dose nehmen.

1 Knoblauchzehe und Saft einer Zitrone im Mixer pürieren (oder notfalls mit dem Pürierstab).
125 ml Tahinisauce und schluckerlweise eiskaltes Wasser dazu.
Ordentlich lang mixen, es sollte dann so eine fast cremeweiße fluffige Sache entstehen.
Dann die Kichererbsen dazu, so nach und nach und wieder alles sehr gut pürieren. Kann gut sein, dass es noch Wasser braucht.
Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken und einen Teelöffel Olivenöl einarbeiten.

Erbsen/Basilikum/türkischer Käse

Einen halben Sack Tiefkühlerbsen weich kochen, abseihen und in den Mixer geben.
1 Knoblauchzehe dazu.
Eine kleine Handvoll Basilikumblätter dazu.
Mit etwas Glück findet man im normalen Supermarkt diesen türkischen Käse in der blauen Dose. So ein rundes Ding, das in seiner eigenen Lake schwimmt. Eher geschmacksneutral und mit einer Konsistenz, wo ich eben kein wirkliches Pendant unserer Käsekultur kenne – vielleicht Mozzarella? Topfen geht im Notfall, alles Philadelphia-artige ist zu weich. Aber keine Sorge, auch bei diesem Rezept kann man eigentlich nix falsch machen. Ist halt der Aufstrich etwas streichfähiger…
Also von diesem ein Dreiviertel bis ganzen runden Laib dazu.
Alles pürieren. Dann mit Salz abschmecken.

Paprika/Rote Bohnen/Tomaten/Nüsse

Je 1 roten und gelben Paprika halbieren, das Samenzeugs rausfuddeln, auf ein Backblech mit Backpapier und ca. 5 min unter den Grill im Backrohr – beobachten! (und wenn es zwei gelbe oder zwei rote sind…Ihr ahnt es schon…auch Wurscht!)
Kidneybohnen aus der Dose. Wer selber rote Bohnen getrocknet hat, dann halt dieser ganze Prozess wie beim Hummus: einweichen, kochen,…
Die ganze Dose, plus eine ganze Dose Tomatenmark (die kleine rote) und ca. drei Esslöffel Nüsse (ich hatte Walnüsse zur Hand) alles im Mixer pürieren, etwas Paprikapulver dazu, einen kleinen Teelöffel Chiliflocken und alles gut pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Und falls jemand auch zwanzig Bürokollegen verwöhnen will:
Wenn die Büroküche es hergibt (Geruch, Platz, Akzeptanz seitens Geschäftsführung…), dann einen riesigen Topf (10 l ist ein Muss!) mitbringen, ca. 2h vorm Mittagessen die Zutaten, die man schon zu Hause vorbereitet (also klein geschnitten) hat, ansetzen und schön langsam köcheln lassen. Mit dem mitgebrachten Pürierstab pürieren, abschmecken. Alles gut.
Wenn die Büroküche das NICHT hergibt, dann dasselbe am Vortag zu Hause herrichten – bis inkl. Pürieren. KEIN zusätzliches Wasser hinzufügen. Man hat also eine recht dicke Pampe. Aber so schleppt man nicht sieben Liter Suppe ins Büro, sondern nur etwa vier… im Büro dann aufwärmen, unbedingt daneben stehen! Nach und nach Wasser zugießen bis zur gewünschten Konsistenz.
Das Brot kauft man in der Früh frisch oder taut am Vorabend auf.
Die Aufstriche kommen in hübschen Gläsern direkt auf den Tisch.

Als Nachspeise gab es die Mandarinen, die Teil der Deko waren. Sehr passend, weil Orange die Unternehmensfarbe ist.

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