Budapest. 48 Stunden.

Budapest.

Ist eine gerade für Österreicher interessante Stadt.
Hat es ja einmal zum großen österreichischen Reich gehört.
Wer auch nur ansatzweise über etwas Gespür für historische Architektur verfügt, wird beim Durchstreifen der Budapester Straßen sich immer wieder an Wien erinnert fühlen.
Mit Recht.
Aber glücklicherweise kann man fast sagen, ist Ungarisch eine Sprache, die einem nicht die Hand reicht. Ungefähr gar nichts lädt einem ein zum Schubladisieren. Und daher muss man sich Budapest – Wienerin oder nicht – erarbeiten.

Ein Mini-Leitfaden könnte helfen:

Budapest Förvam Tér

Budapest hat einen überschaubaren Kern und dieser ist fussläufig gut erschließbar. Eine Fahrt mit der U-Bahn, der ersten nach London auf europäischem Kontinent, ist aber schon wegen der Station Fővám tér empfehlenswert. Grandioser Betondeskonstruktivismus. Mit Bestuhlung von Konstantin Grcic.

Gewohnt wurde mit vier Köpfen im Meininger. Das ist neu. Sauber. Leistbar. Und halbwegs zentral. Mehr kann und will man von der Hostelkategorie nicht erwarten. Nach oben gibts immer Luft. Nach unten auch, aber dafür bin ich zu alt 😉 Das Frühstück kann man sparen. Es gibt Besseres in den zig schicken kleinen Cafés. Aber mit Kindern im Hotel frühstücken zu können, hat seine Vorteile. Also hab ich den Kaffee von der Bar geholt und keine sonstigen Ansprüche gestellt.
Das Meininger ist auch gleich ums Eck von der Großen Markthalle. Die sollte man gesehen haben. Gußeisenkonstruktion wie sie im Buche steht. Auch der Hauptbahnhof ist vom selben Ingenieur. Der übrigens auch im Büro des Herrn Eiffel gearbeitet hat. Warum soll es vor gut 150 Jahren anders gewesen sein?
Dort ist aber auch gleich die Uni – und dieser Fővám tér. Und die Brücke über die Donau, wo am anderen Ende das Gellert-Hotel mit Bad wartet. Kann man, muss man nicht. Also das Gellert. Eines dieser Bäder auf der Budaseite würde ich schon als Muss bezeichnen. Also ankommen, im Bad die (überschaubaren) Reisestrapazen abspülen, dann gut essen. Am Weg dorthin Parlament am Abend anschauen. Am besten eben von der Budaseite.
Mazel Tov. Könnte eine Empfehlung sein. Wenn man es aushält in einer Touristenattraktion zu essen. Das Lokal ist wirklich bemerkenswert. Nonaned. Sonst würden sich die Touris ja nicht auf die Zehen steigen. Das Essen ist israelisch-orientalisch. Für Wiener, die Türken an jeder Ecke, aber insbesondere am Brunnenmarkt in Wien und nicht zuletzt Salmy Molchos Frau Neni gewohnt sind, gut, aber der Hype ist nicht ganz nachvollziehbar. Außer eben wegen des interessanten Lokals. Reservieren absolut notwendig.
Donauschiff ist auch eine gute Idee. Gibt es als Teil des öffentlichen Verkehrs in Budapest – aber Achtung: NUR in den Sommermonaten. Sonst müsste man nochmal die Touri-Abteilung bemühen. Oder man pfeift drauf.

Buda. Der Berg ruft.

Budapest
Ob im Hotel oder im Café nach dem Frühstück könnte man den Berg zur Freiheitsstatue und einen atemberaubenden Blick über Pest inhalieren. Kann man auch am Abend machen – nach dem Bad – und vor dem Essen 😉
Danach zur Altstadt Buda. Mit der Standseilbahn. Witzig und Teuer. Oben die Ausblicke abhaken und dann gemütlich hinunterspazieren. Kleine Gassen lassen darüber nachdenken, wie es wohl hier war, vor 100 Jahren. Bestimmt ist dann schon Zeit für eine Stärkung. Bei Home of Franziska trifft sich alles was Rang und (Taschen)Namen hat.
Nochmal ordentlich Sightsehen. Und dann endlich Shoppen. Budapest hat hinter den großen Hotelklötzen an der Donau neben dem Parlament eine überschaubare Einkaufsstraße mit Fußgängerzone. Aber wegen H&M muss niemand in den Osten reisen. Auch die Edelmeile bietet außer Edelmarken nichts was die Anreise lohnt. Aber auf dem Weg in die spannendere Gegend Chez Dodo nicht auslassen und Macarons in der wohl schönsten Verpackung kaufen. Traditionalisten können im Gerbeaud für viel Geld sehr gute Mehlspeisen kaufen, aber wenn man aus Wien kommt und mit Demel und Sacher versorgt ist, weiß man, worauf man sich da einlässt.

Berlin. Und das jüdische Viertel.

Hinter dem Ring beginnt offenbar die billigere Gegend mit den bekannten Abbruchhäusern, wo sich schon nach der Ostöffnung vermutlich illegale Clubs gebildet haben, von denen einige mittlerweile so etabliert sind, dass ich mich frage, wie sie das mit der Abbruchhausatmosphäre hinbekommen… Östlich begrenzt von der Synagoge und dem Jüdischen Museum verschmelzen hier die berlinerisch geprägte Lokalszene in eben den besprochenen Abbruchhäusern und die jüdisch/israelisch geprägte Szene der – möglicherweise ähnlich wie in Prag – amerikanischen Kindeskinder Holocaust-Überlebender miteinander. Und diese beiden Genres Meister im Provisorium, im „Wir haben nichts, machen aber das Beste daraus…“ erzeugen insgesamt eine Atmosphäre, die ihresgleichen in ähnlich großen mitteleuropäischen Städten, jedenfalls Wien, sucht. Dort reiht sich ein Tipp an den anderen. Plante ist z.B: der wahr gewordene Beweis von Trendforschern, die vorausgesagt haben, dass wir wieder mehr mit Pflanzen leben werden. Ein Laden nur für Zimmerpflanzen. So cool gemacht, dass man gar nicht mehr weg will. Darunter ein Bagelshop. Nur die Straße runter ein Second-Hand-Laden mit allerbesten Stücken. Und noch ein paar Gassen weiter „the instagramable Moment“ schlechthin: Vintage Garden. Auch hier: Selbst für den Mittagstisch muss reserviert werden. Die Blumendeko, die Karussellpferdchen, der zentrale Mitteltisch mit Macaronsdeko sind aber, die schon an der Kippe zur Unfreundlichkeit agierenden Kellner und das enden wollende köstliche Essen wert. Muss man gesehen haben. Weil man ja essen muss: Die Burger sind die beste Wahl. Und nach gefühlten 347 Bildern darf man dann auch wieder gehen.
Budapest wir kommen wieder.
Das wunderschön gemachte Buch „The makers of Budapest“ lässt uns wissen, wo wir beim nächsten Mal hingehen.
Und wir wissen wohin nicht.
Wiederkommen ist aber sicher.

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