Culotte. Und wie ist das mit Kopien?

Heute nochmals das Culotte Ding:⁠

 

Andere Hose, obenherum charmanter, nämlich zurückhaltend. Aber das Thema bleibt: Weite, knöchellange Hose.⁠

Hose: Marc´o Polo. Aus einer Art Sweatshirt-Material, vermutlich in Webshops als Scuba bezeichnet. Dehnbar. Gut. Im Outlet schon vorigen Herbst erstanden.⁠

 

Mantel: Uniqlo. Vom London-Urlaub. Ging, weil ich ihn beinhart angezogen habe, um ihn an der Ryan-Air Gepäcklimitierung vorbeizubringen. ⁠

 

Streifenshirt: Uniqlo. Selbe Story wie Mantel.⁠

 

Schuhe: Nike. Outlet-Schnäppchen. DIE sind nämlich ein Learning (man erinnere sich an letzte Woche 😉 der neuesten Art: Dicke Turnschuhe. Meine beiden Töchter besitzen das gleiche Modell. Auch Outlet, damit können Jung-Teenagerträume budgetverträglich erfüllt werden. Aber damit war das Modell auch bei mir als No-Go gespeichert. Dann wurde es kühl. Und mir bewusst, dass ich für diese Art von Hosen irgendwas brauche, was die Proportionen ausbalanciert. Und weil ich, das ewige Sneaker-Girl, einfach gerne Turnschuhe anziehe, lag nahe es mit diesen dicken Turnschuhen zu probieren. Ein Besuch beim Kleiderschweden machte klar, ja, meine Überlegungen stimmen. Aber auch hier wieder: Achtung 47!
Als ich Kind war, waren Marken wie Benetton über-IN. Mir war lediglich dieser berühmte grüne Seesack ermöglicht. Dennoch habe ich mich gefühlt wie eine Königin. Als Modeschülerin habe ich alles ganz genau gekannt, aber Labels waren damals die gerade aufsteigende Jil Sander, die unglaublich angestaubten Chanel und Yves Saint Laurent und so Zeug halt. Nicht eine Sekunde hat jemand von uns ans Kaufen gedacht, eifrig kopiert haben wir jedenfalls. Zuhause an der Nähmaschine. Dann kam H&M und wir alle fühlten uns im 7. Himmel. Heute hat H&M einen schlechten Ruf und nur sehr unbewusst lebende Menschen kaufen dort ein. Mich eingeschlossen. Weil obwohl es am Bewusstsein sicher nicht scheitert, habe ich noch immer nicht das Budget zur Verfügung für Yves Saint Laurent, den ich auch noch immer nicht kaufen würde, Jil Sander dafür umso mehr, aber wie gesagt, da scheitert es selbst 2nd Hand am Budget. Also doch H&M. Aber als ich so an die dicken stylishen Turnschuhe an meinen Füßen geschaut habe, musste ich wieder mal ein Learning machen: Mit 47 kann man leider keine Kopie mehr kaufen. Weil, das weiß jedes Kind, H&M kopiert. Und wenn das für alles mögliche o.k. sein sollte, bei Turnschuhen … hm. Also zurück ins Regal und nachfragen bei den jungen Kolleginnen. Balenciaga. Ist ein Ergebnis. € 800,– der Preis. Hüstel. Gut, das braucht mehr Investment des Geistes. Und nach einiger Recherche ist mir klar, am besten fahre ich wohl, wenn ich eine etablierte Turnschuhmarke anpeile. Gesagt, getan. Ein nahes Outlet offeriert mir einen so unverschämten Preis für ein paar hellrosa Airmax, dass ich – nach einer Kaffeepause mit reiflicher Überlegung – zuschlage. So jetzt habe ich haargenau diesselben Turnschuhe wie meine Kinder.
Von diesem Umstand abgesehen transportieren die aber genau das, was eben auch jede andere etablierte Marke kann: Man zeigt Modebewusstsein ohne sich aus dem Fenster zu lehnen – denn jeder Dorftrottel hat das Label mal gesehen und damit ist man quasi immer „safe“: Bei Chefs, bei Kunden, bei Kollegen.
Alles gut für € 44,90. Herz, was willst du mehr.

Learning für postForties: Hände weg von Kopien großer Designer. Große Designer lassen sich meist von Subkulturen inspirieren, Subkulturen sind auch nur arme Schweine und tragen meist Standardware, nur halt in völlig anderer Zusammensetzung. Wer also nicht das Geld hat für Balenciaga-Turnschuhe muss solange weitersuchen, bis man die Inspirationsquelle gefunden hat. Bei den Ugly-Sneakern waren das sicher irgendwelche Gangs aus der Bronx, die eben fette Nikes anhaben.
Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Dasselbe gilt für die klobigen Schnürschuhe, die derzeit auch an vielen Modelfüssen zu sehen sind. Inspirationsquelle: Dr. Martens. Ich glaube, im Preisgefüge unter € 100,00 angesiedelt. Pradas klobige Springerstiefel liegen preislich sicher mindestens bei Balenciagas Ugly Sneaker. Martens würde auch jeder kennen. Wenn man das spielen will.

 

Tasche: A.P.C. Uralt, als A.P.C. noch total indie und unbekannt war. Ok. möglicherweise sind sie noch immer eher ein Insidertipp. Aber damals konnten sie offenbar noch nicht so gut rechnen, denn irgendwie konnte ich mir die Tasche leisten, inkl. Versand aus Frankreich. Wenn ich heute auf die Website von A.P.C gehen, gibt es praktisch nichts mehr unter € 300,00 und das wären heute ca. 5.000 Schilling und das hätte ich mir damals sicher nicht leisten können. Um an den letzten Stilblüte-Post anzuschließen: das Geldbörsel passt rein. Also in diesem Sinn: Anschaffung fürs Leben. Wie schön, dass sogar ich so etwas sagen kann.⁠

Brille: Irgendwas Cooles aus Schweden. Vom Schwedenurlaub 2013 mitgebracht. Dann hat sich der HB gleich mal draufgesetzt. Ein grenzgenialer Optiker hat die Marke sofort erkannt und flugs ein Ersatzschanier besorgt. Leider hat mein Augenlicht sich in der Zwischenzeit der Alterung hingegeben und ich kann damit nur noch stylish gradaus schauen und am PC arbeiten. Fürs Handy schauen, muss ich sie hochschieben – und weil man grad im Arbeitsprozess irgendwie ständig gleichzeitig am PC was macht und telefonieren muss, wirkt das Ganze ziemlich … nojo uncool einfach. Gibts aber eine Lösung, heißt Gleitsichtbrille. Und mag ungefähr niemand. Weil allein der Name schon gefühlt kurz vor Inkontinenzeinlagen kommt.

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