Tooltime: Rollschneider

Uahhh gähn.
Ja, ich kann es mir vorstellen.

Ein Rollschneider ist ungefähr so sexy wie Knäckebrot. Ohne was Spannendem drauf.

Mein Leben ohne Rollschneider

Aber. Warum der Rollschneider hier trotzdem einen eigenen Bericht bekommt, ist… weil ich jahrelang KEINEN hatte!

Ich habe mich geweigert dieses neumodische Trum zu verwenden, das einem richtigen Schneider NIEMALS in die Hände kommen würde. Oh nein.
Gut, schon anderorts habe ich immer wieder öffentlich bekannt, dass ich dazu neige, arrogant zu sein. Dass ich glaube – auf gut österreichisch: „Die G´scheitheit mit dem Esslöffel g´fressn zu haben.“
Blöd halt nur, wenn man das erst retrospektiv erkennt.
Ich hätte mir nämlich viele Jahre Arbeit wesentlich erleichtert.
Aber die europäische Handwerkskunst/Intelligenzia/… hier darf man eintragen was einem gerade in den Sinn kommt (Politik derzeit ausnahmsweise nicht ;-)) also diese eben zeichnet sich über die Jahrhunderte ja nicht unbedingt durch wahnsinnig ausgeprägten Innovationswillen aus.
Das habe ich jetzt nur geschrieben, damit ich mein Verhalten vor mir selbst irgendwie rechtfertigen kann.

Und jetzt: Mein Leben MIT Rollschneider

Also: JA. Es gibt durchaus viele Stoffe, Schnittteile die nach bester Schere verlangt. Einer Schere am besten aus altenglischer Schmiedetradition über offenem Feuer (wie sonst? klingt aber besser 😉 auf jahrhundertealtem Amboss handgeschmiedet wurde. Vorzugsweise vom alten Meister persönlich, der kurz bevor er das Zeitliche segnet, glücklicherweise von einem jungen Aussteiger, vorzugsweise aus der Branche „…irgendwas mit Digitalen Medien“ aufgegriffen wurde, und der nun bei ihm noch in „ganz analoger Weise, so unglaublich toll was mit den eigenen Händen zu tun“-Manier das Schmieden von Scheren erlernt. Und das selbstverständlich in dem so wahnsinnig reduziertem IG-Account mit 73t-Followern teilt. Und einen wöchentlichen Podcast dazu betreibt.
Aber: Die MEISTEN Stoffe – und Schnittmuster sind verträgliche unkomplizierte Gesellen ohne Divenallüren, die sich wunderbar und wunderschön von einem hundsnormalen Rollschneider teilen lassen. Meiner ist von Olfa. Hätte auch von Prym sein können. Aber es wurde halt Olfa, weil ich die von Stanleymessern her kenne und schätze und mir dachte, die verstehen was vom Schneiden. Während ich Prym eher zutraue was von Garnen zu verstehen. Aber Ihr seht schon. Schon wieder meine Arroganz. Update: Irgendwer hat hier irgendwen gekauft, jedenfalls steht auf den jetzigen Olfa Rollschneidern Olfa UND Prym drauf.
Anyway. Mein Rollschneider. Unkompliziert.

Ein Rollschneider sollte nicht allein kommen

Und wenn hier tatsächlich noch so Rhinozerosse wie ich herumschwirren, die sich neuen Technologien eher verweigern, nun aber sich mit dem Gedanken beschäftigen, DOCH einen Rollschneider anzuschaffen, denen sei angeraten: ERSATZKLINGEN!
Weil das schönste Rollschneidern hat ein jähes Ende, wenn der Stoff dann stellenweise doch nicht durchgeschnitten wurde, und man dann mühsam nachschneiden kann. Und deshalb habe ich, durch Schaden klug – wie sonst? – diese Ersatzklingen nun im 12er Pack bestellt. Und sehe jeder Zuschnittaufgabe nun völlig tiefenentspannt entgegen.
Schneidematte brauchts natürlich auch. Auch hier empfehle ich, nicht am falschen Platz zu sparen, sondern gleich die größte zu nehmen, die irgendwie noch ins Budget passt. Platz ist kein Argument, passt hinter jeden Kasten bzw. unters Bett. Meine ist A0. Das passt gut um einen 140 cm breiten Stoff, doppelt gelegt, zu schneiden.

So und nun bedanke ich mich bei allen, die bis hierher gelesen haben, denn ich habe – glaube ich – nun meinen ersten SEO-tauglichen Text verfasst. Noch öfter hätte ich das Wort Rollschneider nicht in einen Text packen können. Das nächste Mal Tooltime schreibe ich über ein anderes Werkzeug, das ich auch jahrelang hochnäsig abgetan habe, nun aber heiß liebe. Ihr seht: Ich bin am Weg der Besserung.

PS: Und auch wenn sich das vermutlich nimma ausgeht, man könnte einer ambitionierten Schneiderin, die diese Ausrüstung noch nicht hat, so ein Set aus Matte, Schneider und Klingen zum tadahh: MUTTERTAG schenken!
Könnte man.

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