Muttertag ohne mich. Aber mit Greta Silver

Reizthema Muttertag.
Nein, ich mag ihn nicht.

Ich mag gerne gefeiert werden. Lieber noch feiere ich einfach gerne. Ich esse gerne gut. Und ich bekomme auch gerne Geschenke und/oder Blumen. Anlassbezogen. Oder noch lieber ohne Anlass.
Aber das Muttertagding mache ich nur, weil meine Kinder – gesellschaftsbedingt – die letzten Jahre einen Großteil ihrer Kreativität und dann ihrer sogenannten Kreativausbildung von nach Weihnachten – eventuell unterbrochen durch Ostern – zur Herstellung unterschiedlichster Muttertagsgeschenke – einem grauslicher als das andere – aufgewendet haben. Und ich – auch wenn ich meist herzlos erscheine – am Ende des Tages doch eines habe, und es nicht über selbiges bringe, das hoffnungsfrohe Gesicht eines Kindes zu enttäuschen.
Glücklicherweise sind meine Kinder nun schon so alt, dass sie es zwar noch etwas fragwürdig finden, wenn ich es ablehne beschenkt zu werden, aber es halt als eine weitere schräge Marotte, der ohnehin in Frage zu stellenden Bezugsperson Nr. 1 abtun.

Meine eigene Mutter ist schon gestorben. Erlösung diesbezüglich.

Die Schwiegermutter wird mit Blumen und Händedruck abgespeist. Sorry E.

Sich mit ihr über meine Ablehnung des heutigen Tages zu unterhalten, wäre auch wenig zielführend. Zu traditionell. Zu konservativ. Zu katholisch.

Gute Mütter brauchen eine Menge. Muttertag gehört nicht dazu.

Und damit sind wir genau dort, was mich an diesem Tag so stört.

Keinem einzigen Wert, der Frauen wirklich was bringen würde, wird an diesem Tag gehuldigt.

Es gibt einen hervorragenden Facebook-Beitrag einer Frau, die ich NICHT persönlich kenne – der Link ist hier, mein Zitat daraus hier:

Am schwierigsten aber sind Entscheidungen, die einem ganz, ganz nahe gehen. Etwa: Darf ich die letzten drei Tage vor der Französischschularbeit meiner Tochter auf Geschäftsreise sein?

Wer jetzt gelacht hat, ist glücklich, denn er kennt nicht die dramatische Zerrissenheit, die in dieser Frage liegt: Wie viel Zeit darf ich arbeiten? Wie viel Nähe braucht mein Kind, um sich behütet zu fühlen? Wie viel Freiheit braucht es, um sich entwickeln zu können? Wie viel darf ich ihm zumuten? Welche Vorwürfe sind ein Erpressungsversuch, welche ein Hilfeschrei? Wieviel Zeit kann ich dem Kind opfern, ohne pleite zu gehen.
Diese Entscheidungen gehen bis tief in die Magenwand.

Ich habe schon aus einem Züricher Hotelzimmer via Skype Mathehausübungen gelöst. In Japan habe ich Aufsätze korrigiert, während einer Weinpräsentation in Hamburg das Passé Composé erklärt. Zwischen zwei Terminen, auf dem Weg zur Underground in London, diskutierte ich lautstark, ob und wieviele Freundinnen in unserer Wohnung übernachten dürfen. In den Pausen einer Pressekonferenz tippte ich eine Anleitung für Ratatouille ins WhatsApp. Aus dem abhebenden Flugzeug habe ich heimlich Lösungsvorschläge gesmst, für die Waschmaschine, die partout nicht öffnete. Via Facetime habe ich mich – während der Weinlese am Spitzerberg stehend – an der Suche nach den Lieblingsjeans beteiligt.

Bei jeder dieser Aktionen zerfrisst Dich das schlechte Gewissen, während Du parallel cool und ganz klar jede Menge andere Entscheidungen für Deine Unternehmen und die Deiner Kunden triffst.

All das, ist man versucht zu sagen, wäre mir erspart geblieben, hätte ich mich ausschließlich meiner Frau-und-Mutter-Rolle gewidmet. Oder eben umgekehrt. Man muss ja nicht Unternehmerin sein und auch noch Mutter dazu, alleinerziehende gar.

Dass keine der beiden Exklusivvarianten eine wirkliche Option ist, kann und will ich hier nicht erörtern. Hingegen möchte ich allen Frauen, die mir Vorbild, Inspiration und Bestärkung waren und sind, danken. Jede von ihnen ist eine tolle Unternehmerin UND schafft es, ihre Kinder zu fröhlichen, selbstbewussten, verantwortungsvollen Persönlichkeiten werden zu lassen.

DAS ist es wo Frauen Unterstützung brauchen.
Vom Partner. Ja, das kann man sich noch im besten Fall selbst regeln. Aber von der Gesellschaft an sich. Dass es doch bitte endlich normal werden möge, dass Frauen ihrer Ausbildung und/oder Motivation entsprechend Arbeit leisten DÜRFEN! Ohne schlechtes Gewissen gemacht zu bekommen – von ANDEREN Frauen. (Männer trauen sich das doch eh nicht mehr – oder zumindest die nicht, die ich kenne und schätze.)

Und deshalb von mir ein klares NEIN zum Muttertag.

Frauen, die die Sonne aufgehen lassen.

Und ein klares JA zu Frauen, die einem im Leben die Sonne aufgehen lassen.

Greta Silver.

Könnte von vielen von uns die Mutter sein. Oder gar die Oma.
Ist aber egal.
Weil Greta Silver ist eines in erster Linie:
Eine coole Frau.
Die sich nicht aufhält damit, ob dieses oder jenes angebracht, erlaubt oder wasweißich ist. Die einfach macht.
Schönen Muttertag
ps: Ich brauche einen gelben Mantel
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