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24 Dinge, die mir 2018 gezeigt hat: 1. Dezember – Planung hilft. Oder auch nicht.

Das Jahr 2018.
War, glaube ich Jahr des Hundes. Angeblich schnell, witzig, mental gewandt. Naja. Meines war schnell, ja. Vor allem in seinen Drehungen und Wendungen. Witzig. Ich hoffe definitiv, dass es Leute gegeben hat, die diesem Jahr Witz abgewinnen konnten. Meiner ist mir unterwegs definitiv ausgegangen. Von Natur aus schon nicht unwitzig und sicher nicht langsam, könnte ich eigentlich mit diesen Eigenschaften viel anfangen. Aber heuer hat ungefähr gar nichts so funktioniert wie ich es mir erhofft, erwünscht oder gar geplant hätte. Gut, für Hausumbau mit umfassender Sanierung muss das Sternzeichen erst erfunden werden, das dabei hilfreich ist. Baumeister Bob vielleicht. Aber was heuer auf meinem Lebensplan stand und von mir bewältigt werden wollte, hatte in sich schon eine eigene Dynamik, die sich am besten unter Plan B ist eigentlich Plan A. subsumieren lässt. Und eigentlich ist es sowieso wurscht, weil der Maurer nur dann kommt, wenn er will, weil es immer dann regnet, wenn draußen was zu tun ist, weil Fliesenkleber keine Ausgleichsmasse ist, weil auch, wenn die Fensterfirma die Maße für die Fensterbretter aufnimmt, das noch lange nicht heißt, dass die rechtzeitig da – und richtig sind, wenn die Fassadenfirma sie braucht.
Dazwischen ist ein Kind vom Volksschul- zum Gymnasiumkind, bin ich 46, ist eine Ehekrise bewältigt und ich bestenfalls um die Erkenntnis reicher geworden, dass auch mit ganz viel Alkohol nicht jedes Problem schöner wird. Nein, Hundijahr 2018, obwohl ich Hunde eigentlich mag, wir sind nicht Freunde geworden. Wir haben noch 30 Tage, lass sie uns in friedlicher Coexistenz ausklingen…

Jonas ist eine echte Waldorfpuppe. Was heißt nun „echte Waldorfpuppe“? Alle Schritte Handarbeit, ein aus Wolle aufgebauter Kern für Kopf und Körper, mit Wolle gestopfte Gliedmaßen, aus Wolle gefertigte Haare. Aufgesticktes Gesicht. Ahja, echt hieße glaub ich noch, dass sie keinen Mimik haben dürfen. Das war mir dann doch zu …naja, gläubig …ohne dass ich damit jemand auf den Schlips treten möchte.

Ich habe so Phasen, wo ich mich auf Projekte einlassen möchte, wo ich ganz viel mit meinen Händen tun muss, aber nicht an einer Maschine sitzen möchte. Nähen im klassischen Sinn geht also nicht. PC-Arbeit schon gar nicht. Stricken ist gut. Dirndl-Nähen geht grad noch mit den vielen Handnähdetails. Waldorfpuppen sind genial. Ich mag das auch sehr, dieses Entstehen Lassen von etwas aus meinen Händen. Ich habe das beim Malen, weil ich sehr gerne Portraits male, also erschaffe ich damit auch Persönlichkeiten. Bei den Puppen ist das noch viel mehr, weil sie ja ein dreidimensionales Objekt sind. Und man kann nie ganz genau sagen, wie sie werden, bis man schon fast fertig ist. Man muss sich in den Prozess begeben, sich selbst vertrauen, Gott, dem Universum, Baumeister Bob … oder wem oder was auch immer vertrauen, Man muss dran bleiben, auch körperliche Schmerzen tolerieren (Puppen nähen ist nicht mal schnell einen Hemdknopf annähen, da ist viel Nadel und Faden und viel Kraft dabei…). Sie sind Zen-gewordene Planung. Ja, plane. Besorge Material, Werkzeug. Richte alles so her, dass du eine gute Arbeitsatmosphäre hast. Aber dann lass Raum für Chi. Oder wie immer das jeder für sich benennen mag. Und ich kann das schon. Das Aufziehen eines Raumes, wo alle Dinge gut zueinander finden können, sich jedes dabei gegenseitig respektiert. Auch manches mit harter Hand gekonnt an seinen Platz gebracht werden muss. Vielleicht ist ein Hausumbau einfach zu groß. Obwohl ich das bezweifle. Es geht nicht um den Maßstab. Es geht um das Stehen am Dirigentenpult. Ums Wissen um die Talente – und Schwächen der einzelnen Akteure. Man kann es drehen und wenden wie man will, auf beinahe allen Baustellen meines Lebens habe in in diesem Jahr versagt. Habe Fehlentscheidungen getroffen, versagt in der Führung, mich innerlich abgewandt, mich und andere unglücklich gemacht.

Jonas hat mich sehr glücklich gemacht. Über ein Jahr hat er nun an meinem Arbeitsplatz verbracht – und der war streckenweise unter Lagen von Abdeckplanen – und ist noch immer nicht im geplanten Stadium angelangt… Aber zunehmend öfter dachte ich in letzter Zeit, dass es zwar schön ist, meine gelungene Arbeit vor Augen zu haben, aber dass letztlich ist Jonas eine Puppe. Eine Puppe zum Liebhaben, zum Spielen. Dafür sind meine Kinder schon zu groß. Jonas wird von allen hier sehr schön gefunden, aber zum Trösten oder Spaß haben wird er nicht geholt. Seine von meinen Kindern vorher gewünschten Geschwister haben mittlerweile schon Patina und sind fein säuberlich verpackt archiviert worden. Nein, ich möchte keine Museumsstücke machen. Ich möchte, dass Jonas auch so ein (Puppen) Leben erleben darf. Ich möchte, dass meine Dinge leben, ge- und belebt werden. Und deshalb darf Jonas nun umziehen. Möge er es fein haben –  ich bin neugierig wohin seine Reise geht!

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