24 Dinge, die mir 2018 gezeigt hat – 21. Dezember – Ackerbau und Viehzucht

Die letzten drei Wochen öffentlich über alles, was mich bewegt nachzudenken, hatte was. 
Retrospektiv hatten sich wohl große Fragen herausgestellt, die man sich glücklicherweise eh nicht jedes Jahr stellt, aber ab und an, stellen sollte: Wer bin ich, was bin ich, wo will ich hin?
Die letzten Jahre meines Lebens waren von sehr viel Unruhe gekennzeichnet, die ich – zumindest aus meiner Sicht – selbst verursacht habe. Dafür war ich sehr streng zu mir. 
Wie überhaupt ich mich gern dafür geissle, dass ich so gar nicht angepasst bin, dass ich – wenn schon nicht mainstream – dann aber auch nichts aus meinen Talenten gemacht habe. 
Dass ich Mutter zweier Töchter bin, ein Haus umbaue, am kreativarbeitsplatztechnisch sehr spärlichen Land lebe, übersehe ich gern. Ich will schuld sein.
Ein Verhalten, das für irgendwas gut. Für irgendwas ist ja irgendwie alles gut.
Aber ich habe das Gefühl, dass es für mich nicht mehr gut ist.
Milde Selbsterkenntnis. (Vor)Urteilslos.
Erkennen was ist. 
Und dann damit umgehen.
Der Bauer hat nicht nur einen Acker. Er muss seine Felder kennen, um zu wissen, was wo Sinn hat, angebaut zu werden.
Erkennen der Erde und der Bedingungen dort. Windig. Sonnig. Trocken. Nass. Wissen um das Saatgut. (Jetzt wird’s heikel. Ich bin keine Gärtnerin und noch weniger Landwirtin. Aber zugunsten der Metaphorik seien mir Ungenauigkeiten verziehen.) Der Weizen will es anders als der Mais. Weinbau ist sowieso eine Diva. Und Kraut und Rüben gehen offenbar auch am Acker zusammen – (nicht) nur wegen des Wortspiels.
Letztens habe ich vom kurzhaxigen Shetlandpony gesprochen. Der Bauer spannt auch nicht den PKW vor den Pflug.
Angemessenheit der Mittel. Input und Output sollten eine Schieflage haben. Aber in die richtige Richtung 😉
All diese Aspekte kann man auch sehr gut für einen selbst anwenden.
Nüchtern, aber wohlwollend.


Ich spüre viel Wärme ums Herz, wenn ich mit Stoff arbeite. Ich kritzle praktisch ständig alles voll mit Entwürfen für Damenmode. Und habe viel zu wenig Zeit, um allen mal Raum zu geben. 
Um beim Bauer zu bleiben, ist das quasi, als hätte er sein Rennpferd, das wirklich schön und wunderbar ist, in die letzte Abstellkammer gezwängt, auf dass es keiner sieht. Wieso sollte er – der Bauer, sich einen solchen Luxus leisten? Er braucht einen Ackergaul. Aber sicher kein Rennpferd.
Dass er schon ein paar schöne Fohlen gezüchtet hat, traut er sich gar nicht sagen. Wer würde es hören wollen? Wer ihn nicht auslachen?
Ich spüre eine große Angst, weil ich immer gelernt habe, dass mit dem was mir Freude bereitet kein Reibach zu machen sei. Dass sei nett, aber du mit deinen Talenten…blablabla.
Die Talente. Die mich Dinge zueinanderbringen lassen. Auf Webseiten. Auf Flaschenetiketten. In Räumen. Das möchte ich nicht missen.
Und ganz über allem schwebt meine totale Unfähigkeit mich zu verkaufen. Überhaupt irgendwas von mir zu verkaufen. Meinen Wert in Geldwert umzusetzen. 
Nun, heute ist Wintersonnenwende. Und der Winter beginnt überhaupt erst. Kontemplation. Mit eingebautem Anlass zur Hoffnung. Allein das Wissen, dass es in absehbarer Zeit nicht schon um 15.30 zu dämmern beginnt, lässt mich durchhalten. Inzwischen könnte ich ja mal schauen, welche Felder ich so habe, wie es in der Saatgutkammer aussieht und dieses edle Ross aus der verdammten Abstellkammer holen. Genug zu tun.

Auch beim Adventrock ist heute Manufaktur angesagt. Handarbeit. Säumen des Futters. Ich mag das schon beim Dirndl. Dieses Vorsichhinarbeiten mit der Hand. Leise. Und mit einem gewissen Rhythmus.
Zunächst wird die Nahtzugabe des Oberstoffs zurückgeschnitten – wenn sie soviel ausmacht wie bei mir. Wenn gute 2 – 3 cm stehen bleiben ist es gut.
Dann nimmt man die freien Enden des Futterrocks und streift die letzten Falten links um rechts vom Zipp schön glatt und legt dann auch gleich das Futter um die allerletzte Falte „herum“.
Dann grob abmessen, wo die Rückenmittenaht des Futters sein soll. Und den Futterrock so hochklappen, dass die Nahtzugaben dann zum Oberstoffrock zeigen – noch festlegen, bis wohin die Naht reichen soll. Ich nehme immer grob die untere Metallklammer des Zipps. Naht schließen, die Kanten beim Zipp feststecken, eventuelle Überweite wird in der letzten Falte aufgenommen und dann leicht bügeln.

Nun das Futter der Passe Richtung Faltenfutter klappen. Beim Zipp wirklich eine ganz schöne Ecke falten – das Futter einklappen und richtig über die Passepoileschnurkante drüber legen. Gut feststecken und den Verlauf entlang des Zipps hinunter auch feststecken. Auf der anderen Kante alles wiederholen. Wirklich gut drauf achten, dass alles schön flach liegt und nichts verwurschtelt ist.

Dann das Passenfutter so entlang der Rockansatznaht einklappen, dass die Naht gerade abgedeckt ist. Rundherum arbeiten bis zur anderen Kante.

Dann den Hafterlverschluss feststecken. Und zwar so, dass die Ösen UNTERHALB vom Futter liegen – also nicht sichtbar sind! Bei der Seite wo der Haken ist, soll wirklich nur der Haken über das Futter schauen, bei der anderen Seite nur die Öse rausschauen.

Nadel und Faden. Und los gehts mit der Kontemplation. Die Hafterlteile dabei mitfassen, aber natürlich mit ein paar extra Stichen wirklich gut annähen! Dann mit unsichtbaren Säumstichen zunächst entlang des Zipps hinunter, dann die Passe rundherum, wieder rauf bis zu Kante und anderem Hafterl und schließlich das kleine Stück beim Faltenteil entlang des Zipps. Säumstiche bedeutet: nur ein winziges Fädchen des Stoffes an dem angensäumt wird aufnehmen und gleich wieder unter den Futterstoff – bzw. den Stoff, der angesäumt wird. Dort ca. 2 – 3 mm weiter, wieder raus, rein in den Oberstoff (Zipp, anderen Futterstoff), gleich wieder raus – auf der rechten Seite ist dann wirklich nur ein winziges Pünktchen zu sehen. In den Futterstoff wieder rein – und quasi unterirdisch die 2 – 3 mm wieder weiter. Und wiederholen. Und wiederholen. Und wiederholen.
Reinster Zen-Buddhismus.
Und nein, ich verwende keinen Fingerhut.
Das ist jetzt nicht die schlaueste Handhabe. Aber Ihr kennt das sicher: Glashaus. Stein. etc. Kein Fingerhut.

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