BOM 2014…Nein ist das neue Ja

Also hierzulande gibt es für das, was ich mir denke, wie ich mich fühle, einen schönen Ausdruck: „No serwas!“
Soll in etwa so was heißen wie…“Na, das ist aber eine ganz schön große/intensive  Ladung/Sache/Angelegenheit,…“.
Impliziert Erstaunen über das Ausmaß und es ist nicht ganz klar, ob und wie man HerrIn der Angelegenheit werden wird.
So habe ich mich jedenfalls gefühlt, als ich jetzt endlich Eure Kommentare gelesen habe.

Vielen vielen Dank dafür!

Das Erstaunen kommt daher, dass ich mir eher gedacht habe: „Na Frau Wally, lass ma wieder mal die Hosen runter…?“. Egal, auch wenn sich jetzt alle denken, die hat nicht mehr alle… so geht es mir grad und ich will hier nicht einen auf cool oder überprofessionell machen. Ich will hier – zumindest hier – authentisch sein.

Und dann gibt es doch so viele, die mir nicht den Rücken zu wenden, sondern ganz im Gegenteil meinen, ihnen ginge es genau so!

Also hier noch mal vielen vielen Dank für Eure Ehrlichkeit, Euren Mut, Eure Zeit.

Ja, in der Tat habe ich hier vorgehabt an Hand am Beispiel meiner selbst Euch zu zeigen, dass alles wohl nur eine Frage der Organisation sei. Ich war – ganz ehrlich – angepisst von mir selbst, von allem, was ich nicht auf die Reihe kriege und hat die Nase voll. 2014 soll jetzt endlich anders werden.
Ich war so hochmotiviert.
Um dann zu merken, dass es bei der ganzen super Organisation überhaupt nicht darum geht, mich selbst zu erkennen, meinen Bedürfnissen gerecht zu werden, sondern wieder nur einem Bild zu entsprechen. Einem Mosaik aus zigtausenden winzigen Steinchen (in über 40 Jahren sammelt sich ja schon einiges an ;-)). Und wieder bin ich gescheitert.
Und leise kommt der Verdacht in mir hoch, dass ich mir dafür dankbar sein sollte.
Weil der Schuh zwar schön ist, und ein tiefes Verlangen in mir will, dass ich ihn mir anziehe.
Aber so oft ich damit herumlaufe und herumprobiere und wasweißich tue. Er passt nicht.
Und anstatt jetzt auch noch den High-Heel-Kurs zu belegen, wäre es vielleicht an der Zeit zu erkennen, dass …ähem wie lautet dieser hübsche Spruch, den ich manchmal, wenn ich dort vorbei fahre, an einer Schule lesen darf?

Don’t try to be an apple if you are a banana, you’ll always be a second rate apple.

Aber hier ist es wieder.
Dieses „Sei doch mal Du selbst.“
Schon wieder dieser Auftrag.
Dieses Mitschwingen, so wie es ist, ist es nicht gut.
Nur dass es diesmal nicht die Kopie von wasauchimmer sein darf, nein, diesmal muss ich „Selbst“ sein.

Das neue „Ja“ ist wohl ein schlichtes „Nein“.
Nein!
Das hier wird KEIN Organisationskurs.
Weil es ist wie beim Abnehmen.
Plus und Plus ergibt Plus.
Soll es weniger werden, muss es Minus geben. Minus Futter. Und mehr Verbrauch, sprich Bewegung.
Das weiß absolut JEDE Frau in der westlichen Hemnisphäre.
Ein Wahnsinn, dass wir dennoch (oder ich) jede depperte neue Diät zumindest lesen, oder wie bei mir, zumindest hinschauen. Ich erlaube mir glücklicherweise eh schon länger nimmer, das Magazin oder Buch zu kaufen. Aber der Erstimpuls ist da.

Und ich fürchte ich habe hier eine Erkenntnis bezüglich Organisation, deren Vermarktungsgrad ist so sexy wie der vom Abnehmen. Nämlich null.
Wer besser organisiert sein will…tadaaah: darf sich nicht so viel aufhalsen.
Wenn der Tag schon birst vor lauter Terminen, ist die wahrlich einzig Glück bringenden Maßnahme ein paar Dinge davon zu streichen.
Aber wer will den schon so was hören?
Ich wollte das ganz sicher nicht.
Aber nach nun fast zwei Monaten super Organisation komme ich genau dazu.

Weniger Zeit im Netz?
= entspannterer Abend!
Kein Fitnessstudio?
= entspannterer Abend!
Gemüse im Supermarkt gekauft?
= entspannterer Abend!
Jetzt wird es hart:
Nix genäht, nix entworfen, nix gestrickt?
= entspannterer Abend!

Auch wenn sich mir die Finger krümmen, wenn ich das schreibe…aber es geht hier ja um Authentizität…runter mit der „Ich bin so toll-Maske“…Seit die Nähmaschine weggepackt ist und ich anderorts die Brötchen verdiene, ist das Leben anders. Und ich will hier nicht werten, aber schlechter ist es nicht…Bestimmt kommt mal wieder die Zeit, wo ich viel nähe und auch Stricken finde ich ab und an schön. Aber ich bin offenbar nicht dazu geeignet Dinge nur 70% ig zu machen. Selbst 100% sind mir eigentlich zu wenig. 120, ja, da können wir anfangen zu reden… Meine Güte, WEM versuche ich eigentlich was zu beweisen? Und vor allem: WAS versuche ich zu beweisen???

Wo sind Eure Dinge, wo ein „Nein“ sooo schwierig ists?
Wo merkt Ihr immer wieder, dass Ihr in diesselbe Falle tappt und das Ding irgendwie zum Selbstläufer wird?

Es kann leicht passieren, dass hier der Eindruck entsteht, ich finde die Blogwelt sei böse. Bitte das nicht zu glauben! Es gibt ja glücklicherweise in unserer Welt soooo viele Dinge – wie halt im Supermarkt. Nur manchmal ist man halt im Supermarkt auch überfordert und sehnt sich nach dem Greißler, wo es eben nur Butter gab. Keine Mager-, keine Salz-. keine irische, keine Joghurt-, keine wasauchimmerButter. Nur Butter.
Wer gern mal weniger hat, dem könnte ich beispielsweise diese Dame hier empfehlen. Also die schreibt mir gerade so oft direkt aus dem Herzen, dass ich mich hinlegen möchte. Und diesem Gefühl nachspüren. Es aufhalten. Und diese hier.
Nur damit keiner glaubt, die Blogs und ich wir wäre jetzt spinnefeind 😉

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9 Kommentare
  1. Maren
    Maren sagte:

    Liebe Dolores,
    ich mag Deinen Blog immer wieder sehr.
    Vor sechs Jahren als mein erster Sohn geboren war hatte ich auch mal kurz ein Blog und damals im Verhältnis zu jetzt auch noch relativ viel Zeit und Muße zum Nähren, Stricken, Häkeln, Selbermachen. Wenn man das auch noch alles mediengerecht aufbereiten muss, ist es irgendwann schon nicht mehr ganz so spaßig wie es einfach um der Sache Willen wäre.
    Nach zwei weiteren Kindern und zwischendrin immer wieder arbeiten gehen, habe ich nicht mehr so viel Zeit und Muße für diese Dinge.
    Das finde ich oft sehr schade. Aaber nicht auf Teufel komm raus irgendein Kreativ-Projekt machen zu müssen, schafft mehr Zeit und Raum für spontane Dinge mit lieben Menschen und vor allen Dingen den Kindern. Manchmal bleibt dann eben doch noch Zeit für kreative Kleinigkeiten; die müssen dann auch nicht immer ganz perfekt sein.
    Ich lese leidenschaftlich gerne Blogs über schöne Dinge und (schönes) Familienleben. Nach einer umzugsbedingten Internetpause habe ich es eine Weile ziemlich erfolgreich geschafft, den Konsum erheblich einzuschränken. Durch viel Stillzeit lese ich jetzt aber doch wieder viele Blogs; Allerdings vielleicht etwas weniger mit dem Gedanken: Das will ich auch haben, so will ich auch sein, sondern mehr: Aha, bei denen ist es so und bei uns ist es so.

    Zu der Dokumentationswut hatte ich neulich im Zoo auch so eine Offenbarung: Wir standen mit unseren und vielen anderen Kindern und Eltern vor dem Nilpferdbecken. Jeder zweite Erwachsene und sagen wir mal jedes vierte Kind hatte ein Handy dabei und knipste, filmte wie wild.
    Wir standen einfach so da und schauten mit unseren Kindern die Nilpferde an.
    Ich sagte zu meinem Mann: Und ich habe mein Handy nicht mal dabei. Selbst wenn ich wollte, könnte ich keine Fotos machen. – Er: Ich auch nicht.
    Zugegeben, von unserem Jüngsten gibt es viel weniger Fotos als von der größeren Schwester oder gar vom Ältesten, aber selbst meine Mutter, die sonst immer sehr organisiert war und ist, hat von meinem jüngeren Bruder nur ein angefangenes Babyalbum.
    Ich habe drei angefangene bzw. nicht ganz beendete. Na und?
    Ich habe auch mehrere angefangene Strick- oder Nähprojekte im Schrank. Na und?
    Wenn man sich darüber nicht ärgert, hat man schon mal mehr ZEIT für die Kinder, den Liebsten und für ein kleines Yoga zwischendurch.
    Also: Sachen loslassen können, das echte Leben ungefiltert geniessen!

    In nicht allzu ferner Zukunft, wird das Kinderprogramm immer weniger. Es wird wieder eine Zeit für die immer aufgeräumte Wohnung, jeden Tag gemachte Betten und ausdauerndes Kreativsein zum Herzeigen kommen.

    Liebe Grüße
    Maren

  2. meisenleben
    meisenleben sagte:

    Dolores, du triffst den Nagel mal wieder auf den Kopf. Trotzdem schau ich bestimmt gleich hier und da im Internet auf den perfekten Blogs, statt Fernsehen. Aber mal ehrlich, den fulltime job, den denken die sich doch aus. Deren fulltime job ist es den Blog zu schreiben und die Fotos dafür zu knipsen (und selbstverständlich vorher aufzuräumen) und wer weiß wie es wirklich hinter der Kamera aussieht 😉 Du bist toll und hast mir Mut gemacht, denn ich scheitere und scheitere und scheitere daran, dass ich die 25 Nähprojekte bisher nur in meinen Kopf geplant und ausgeführt habe, aber nicht in echt, dass ich abnehmen will und gleichzeitig den leckeren Regenbogencake backen will (obwohl der mir eh nicht gelingen würde) und immer das Gefühl habe, ich hätte nicht genug Zeit für niemanden und nichts. Es geht also vielen da draußen so. Lasst uns authentisch sein!!!
    Herzliche Grüße

  3. Anonym
    Anonym sagte:

    Kompliment, das gleiche denke ich schon eine ganze Weile! Ich bin bloglos und immer wieder überrascht vom Tatendran der anderen. So langsam wird meine Favoritenliste immer kürzer,weil ich diese perfekten Blogs kaum noch ertragen kann. Sie machen schlechte Laune, weil sie die vermeintlichen Unzulänglichkeiten zeigen. Dolores ,dein Blog ist genau richtig. Bitte weiter so! Herzlichst aus dem schönen Lübeck, von Ulrike

  4. M
    M sagte:

    Mir gefällt diese neue, ehrliche Stimme sehr-sehr-sehr! Weiter so, Frau Wally und noch mehr davon, wenn ich bitten darf!

  5. Sabine
    Sabine sagte:

    Danke für Deinen offenen Worte! Fühl Dich unbekannterweise gedrückt (das mache ich eigentlich nicht so, also, Fremde drücken ;-)) Ich gehöre zur Minderheit der "Bloglosen" ohne Instagram und Facebook….ich lese halt mal so rum, gebe auch mal meinen Senf dazu….und bekomme manchmal ein schlechtes Gewissen mir selbst gegenüber, wenn ich schaue, was andere Frauen (neben fulltime-job, mehreren Kindern, Sport etc.etc.) alles schaffen – Wohnungen, die so perfekt jahreszeitlich dekoriert sind, ordentlich und abends steht voll lecker selbst gekochtes (veganes ;-)) auf dem Familientisch, achja und die Kinder haben natürlich coole selbstgenähte oder sonstewieselbstgehandarbeitete Kleidung am Leib….möööönsch, bin ich da neidisch und frage mich, warum ich so unfähig bin…ich habe "nur" einen 25Std.-Job, die letzte coole Leggings (jetzt auch nicht sooo aufwendig), die ich genäht habe ist auch ne Weile her (ja, ich bekenne, den Schnitt, den ich letztes Jahr bei Dir gewonnen habe, habe, habe ich noch noch nicht genäht *rotwerd*), manchmal gibts bei uns einfach nur Nudeln mit Tomatensoße aus dem Glas (das Kind will eh nur Käse drauf)…achja und bloggen? Ich weiß gar nicht, wann ich das machen sollte (manchmal schlafe ich um halb neune abends nach dem Vorlesen mit ein…). Ich tröste mich dann damit, daß das, was ich erlebe so unspektakulär ist, dass es eh niemanden interessieren würde *lach*
    Aber mal im Ernst, einfach mit gutem Gewissen etwas machen, was einem in eben diesem Moment gut tut, ohne dem eigenen! Druck "ich müsste jetzt aber" und "oh, und das alles noch schnell fotografieren"……
    Schöne Restwoche noch,
    liebe Grüße

  6. Anonym
    Anonym sagte:

    Ich lächle, ich nicke, ich drück dich und sage: gut gemacht, Dolores!

    Mein Fashion-Highlight des Tages: ich habe gestern mit meiner 8jährigen Kuchen gebacken. Und ja, ich habe ihr gesagt: Es ist okay, schmier deine Teigfinger an meiner Hose ab, die zieh ich morgen eh nimmer an! (Das machen wir im Hause B. übrigens immer so. Ist nichts zum Abwischen zur Hand, dann hält Mama das Hosenbein her!)
    …ich sitze im Büro und kletzle schon den ganzen Vormittag immer wieder so kleine Teigteilchen von meiner Jean…

  7. Heike Gedankenwoelkchen
    Heike Gedankenwoelkchen sagte:

    sooohhooo, liebe Doloros, zeit für mich hierzu auch ein paar worte zu verlieren! erst einmal: ich bewundere dich, deine kreativität und deinen mut hier keinen auf perfekt zu machen!!!! genau diesen weg bin ich auch eingeschlagen. vielleicht erinnerst du dich: ich bin diese working mum, die ganze tage auf der autobahn verbringt und weit weg von familie die brötchen verdient ;-). mittlerweile habe ich aufgehört zu bloggen. gut, mein blog war nicht ganz so professionell gefüllt wie deiner, eher ein bisschen dilettantisch aufgemacht. aber sei's drum…er war mein herzblut. und immer mehr habe ich mich über ihn und die damit verbundenen kommentare und die wellenartigen trendbewegungen aus anderen blogs, die dann selbstveständlich auf alle anderen überschwappen, definiert.irgendwann letztes jahr habe ich gespürt, dass das nicht mehr meins ist. ICH BIN NICHT PERFEKT!!!! meine inneneinrichtung kann mit den diversen schöner-wohnen-blogs nicht mithalten. eine trendscout in sachen mode bin ich schon gar nicht. ab und zu backe ich mal, aber auch mit food-blogs kann ich nicht mithalten. geschweige denn mit den nähbloggern. von der zeit, die ich nicht habe den blog zu füttern reden wir gar nicht (ja selbst wenn ich das ding nur dilettantisch fülle, brauche ich dazu zeit die ich eigentlich nicht habe). kurz und gut: ich geniesse es auch weiterhin hier und da und auch täglich zu lesen. es inspiriert mich. aber den pc lasse ich am abend aus. dafür lese ich (unter der woche als teilzeitsingle) oder mache am wochenende was mit den jungs. und ich geniesse es. auch dass unser haus nicht wie aus dem ei gepellt nach dem neuesten trend in den aktuellsten farben blinkt. statt dessen blicke ich auf poster und kritzeleien an kinderzimmerwänden…nein, meine kinder lieben die ordnung nicht so wie die kids in den wohn-blogs :-(…weiss übertünchte deckenvertäfelungen und schrankwände aus den 80ern. ja, nicht trendy, aber zweckmässig und in unserern finanziellen rahmen passend! natürlich würde ich mich wie bolle über eine ganze lkw-ladung dsw-stühle freuen! is aber nicht. jedenfalls nicht für umsonst. dafür müsste ich unsere urlaubsreise streichen. mittlerweile habe ich festgestellt, dass der eingeschlagene weg vor allem eins ist: stressfreier! YES! so ganz ohne handarbeit geht es nicht. ab und zu muss ich kreativ sein. aber nicht auf kommando. nicht so wie zu "stickmaschinen-farbenmix-zeiten". und ich stehe dazu, dass ich bei diesem plotter-hype nicht mitmache. YES, ich bin kein herdentiert. nie gewesen, nur zeitweise vergessen. und, genau wie du, dolores: manchmal kreativ, bei weitem nicht perfekt ABER AUTHENTISCH. und das darf gerne so bleiben!
    liebste grüsse,
    heike

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